Fadenlauf - Nählexikon

20.09.2014 12:04

Fadenlauf

Gewebte Stoffe bestehen aus verschiedenen Fäden. Einmal die Kettfäden und einmal die Schussfäden. Klingt erst einmal befremdlich, aber jeder, der im Handarbeitsunterricht einmal mit dem Webrahmen gearbeitet hat, kennt sie. 

Kettfäden sind praktisch das Grundgerüst des Stoffes. Im Webrahmen sind es die Fäden, die als erstes aufgespannt werden. Sie liegen also parallel zur Webkante.

Schussfäden sind die, die dann mit dem Schiffchen durch die Kettfäden gefädelt werden.

Der Fadenlauf verläuft ebenfalls in Richtung der Kettfäden, also auch parallel zur Webkante.

Gestrickte Stoffe (elastische Stoffe) bestehen aus vielen kleinen Maschen - wie beim Strickpulli. Hier verläuft der Fadenlauf senkrecht zur Maschenreihe

Zuschneiden im Fadenlauf

Kleidungsstücke sollten immer - außer es ist in der Anleitung anders angegeben - in Richtung Fadenlauf zugeschnitten werden. Der Fadenlauf am Kleidungsstück verläuft senkrecht, quasi von Kopf bis Fuß. Auf dem Schnittmuster ist der Fadenlauf im Normalfall als langer Pfeil eingezeichnet. Sie müssen die Vorlage also so auf den Stoff legen, dass dieser lange Pfeil, der den Fadenlauf symbolisiert, parallel zur Webkante liegt

Warum? Zum einen fallen die Kleidungsstücke schöner, wenn sie im Fadenlauf zugeschnitten werden. Zum anderen sind alle Stoffe - auch gewebte - mehr oder weniger elastisch. Und ein Kleidungsstück muss sich für maximalen Tragekomfort in der Breite dehnen lassen. Ein T-Shirt, z.B. das sich nicht in der Breite, sondern in der Länge dehnt, wäre nicht nur weniger bequem, sondern würde auch nicht so gut sitzen und "fallen".

Elastizität der Stoffe

Gewebte Stoffe lassen sich in Richtung Fadenlauf - also parallel zur Webkante - kaum dehnen. Quer zur Webkante, also in der Breite, ist der Stoff schon elastischer. Diagonal zur Webkante sogar noch mehr. Deswegen werden die Stoffstreifen für Schrägbänder (daher auch der Name) immer diagonal zur Webkante geschnitten. Dadurch erhält der Stoffstreifen die maximale Dehnbarkeit und das fertige Schrägband kann sich schön um Rundungen schmiegen.

Gestrickte Stoffe sind parallel zur Maschenreihe, also auch quer zur Webkante dehnbar.

Fadenlauf ohne Webkante erkennen

Wie bereits beschrieben, liegt der Fadenlauf parallel zur Webkante. Bei neu gekauften Stoffen kann man den Fadenlauf also auf Anhieb erkennen. Doch was, wenn es keine Webkante mehr gibt, z.B. bei kleineren oder größeren Stoffresten

  • Ablesen: bei gestrickten Stoffen können Sie den Fadenlauf ggf. an den Maschen ablesen, zur Not kann eine Lupe helfen.
  • Muster: je nach Muster kann man sich auch danach richten, in welche Richtung das Muster verläuft - der Fadenlauf liegt dann in der gleichen Richtung, wie das Muster. 
  • Cord: bei Cordstoffen verläuft der Fadenlauf parallel zu den "Cord-Linien".
  • Strichrichtung: z.B. bei Frottee, Samt, Cord gibt es eine Strichrichtung. Wenn Sie mit der Hand über den gegen den Strich streichen, richten sich die Fasern / Härchen auf - sie sträuben sich. Der Fadenlauf liegt in der gleichen Richtung, in der auch die Strichrichtung verläuft.
  • Dehnen: wenn alles nichts hilft, dehnen Sie den Stoff. Quer, diagonal und senkrecht. Die Richtung, in der er am wenigsten dehnbar ist, ist auch der Fadenlauf.

 

Übersetzung: straight grain

  


Kommentar eingeben